Gentherapie

Eine Gentherapie umfasst die Korrektur defekter Gene durch die Anwendung rekombinanter DNA-Techniken mit dem Ziel, durch die Veränderung des Genoms eines Menschen genetisch bedingte Krankheiten (Erbkrankheiten) zu behandeln oder diesen vorzubeugen.[1] Mittels rekombinanter Nukleinsäuren wie DNA oder RNA wird die Nukleinsäuresequenz beim Menschen reguliert, repariert, ersetzt, hinzugefügt oder entfernt. So wird beispielsweise ein intaktes Gen in das Genom der Zielzelle eingefügt, um ein defektes Gen zu ersetzen, das ursächlich für die Entstehung der Krankheit ist.[2] Die eingebrachten Gene dienen dabei als therapeutisch wirksame Stoffe (Gentherapeutika). Der Transfer kann auch außerhalb des Körpers (ex vivo) erfolgen.[1]

Handelt es sich dabei um (somatische) Körperzellen, spricht man von somatischer Gentherapie (Gentransplantation). Die Therapie bleibt auf den Empfänger beschränkt, es findet keine Weitervererbung statt.[3] Dies unterscheidet sich von der Keimbahntherapie (Keimbahn-Gentherapie), bei der Gene in Keimzellen oder Embryonalzellen eines frühen Entwicklungsstadiums eingebracht werden. Die Keimbahntherapie am Menschen ist aus ethischen Gründen in Deutschland aufgrund § 5 des Embryonenschutzgesetzes verboten.[4]

In den letzten Jahren wird versucht, ein defektes Gen mit einer präziseren Methode, dem Genome Editing, zu reparieren.[5] Während es unzählige experimentelle klinische Studien gibt, sind im Jahr 2020 nur acht Therapien durch die amerikanische FDA und/oder die europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) für die Klinik zugelassen.[6][7] Als weltweit erstes Gentherapeutikum wurde 2003 in China Gendicine als Krebsmedikament eingeführt, das aber wegen fehlender Unterlagen in anderen Ländern nicht zugelassen wurde. Näheres siehe Gendicine.

Innerhalb Europas gehören Gentherapeutika zur Gruppe der Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMPs).[1][8] Eine Übersicht über die in den USA zugelassenen Gentherapeutika findet sich auf der Website der Food and Drug Administration (FDA).[9] Bei einer Impfung mit genetischen Impfstoffen wie DNA-, RNA- oder viralen Vektorimpfstoffen gegen Infektionskrankheiten wird dagegen das Genom nicht verändert, weshalb jene Impfstoffe keine Gentherapeutika sind. Sie werden auch arzneimittelrechtlich nicht zu den Gentherapeutika gerechnet.[1]

  1. a b c d Regelungen zu genbasierten Impfstoffen. (PDF) Begriffliche Einordnung und arzneimittelrechtliche Zulassung. In: Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages. 25. Januar 2021, S. 5 ff., abgerufen am 10. November 2021.
  2. C. E. Dunbar et al.: Gene therapy comes of age. In: Science, 2018, 359(6372). doi:10.1126/science.aan4672
  3. Gentherapie. In: Lexikon der Biologie. Spektrum, abgerufen am 16. Juli 2021.
  4. Dirk Lanzerath: Somatische Gentherapie. In: Deutsches Referenzzentrum für Ethik in den Biowissenschaften. November 2020, abgerufen am 16. Juli 2021.
  5. J. A. Doudna: The promise and challenge of therapeutic genome editing. In: Nature, 2020, 578, Nr. 7794, S. 229–236. doi:10.1038/s41586-020-1978-5
  6. A. Fischer et al.: Benefit Corporation: a path to affordable gene therapies? In: Nat Med. Band 25, Nr. 12, 2019, S. 1813–1814. doi:10.1038/s41591-019-0676-z
  7. M. R. Cring, V. C. Sheffield: Gene therapy and gene correction: targets, progress, and challenges for treating human diseases. In: Gene Ther., 2020, doi:10.1038/s41434-020-00197-8
  8. Arzneimittel für neuartige Therapien (ATMP) – Gentherapeutika, Website des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI); abgerufen am 20. Oktober 2020.
  9. Approved Cellular and Gene Therapy Products, Website der FDA (englisch); abgerufen am 20. Oktober 2020.

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